Was geht einem Freediver bei einem tiefen Tauchgang durch den Kopf

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Von AmbassaDiver Akim Ladhari

Ich höre wie Renee direkt neben mir den Countdown herunterzählt. In dieser letzten Minute vor dem Tauchgang mache ich meinen Kopf leer und denke an nichts anderes mehr…

10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1…

Beim Abtauchen ins Blue Hole in Dahab bin ich sehr langsam und entspannt, mein Kopf ist leer und jeder einzelne Schritte des Tauchgangs ist Teil einer logischen Abfolge. Jeder Schritt des Tauchgangs besteht aus verschiedenen Einzeltechniken, einer Kettenreaktion. Wenn eine fehlt, dann bedeutet das, dass ich den Tauchgang abbrechen und umkehren muss.

Ich höre auf mit den Flossen zu schlagen und beginne mit dem freien Fall. Nach ein paar Sekunden weist mich der Alarm meines Tauchcomputers darauf hin, dass es Zeit für den „mouthfill“ ist.

„Mouthfill“ ist eine Druckausgleichstechnik, die ich nutze und mit der ich auch in der Tiefe immer sicher den Druck ausgleichen kann. Ab jetzt kann ich entspannen und den freien Fall bis in 90 Meter Tiefe genießen.

Auf 50 Metern sehe ich den Bogen und auch ohne Maske kann ich mich an dem Licht freuen, das durch ihn hindurch scheint. Wenn ich eine Maske trage, dann kann ich oft die riesigen Hundszahn-Thunfische sehen, die hier in der Gegend leben. Im Blue Hole trifft man oft auf solche Riesen wie Walhaie und ich erinnere mich noch, dass hier vor ein paar Jahren sogar ein enormer Tigerhai und ein Hammerhai vorbeigeschaut haben.

Akim Ladhari Deep dive, Dahab

Foto: Jonathan Sunnex

Mein freier Fall hat bisher rund eineinhalb Minuten gedauert. In 15 Sekunden sollte ich die Bodenplatte erreicht haben. Ich drehe mich leicht und kontrolliert um und beginne langsam mit meiner Monoflosse zu schlagen und wieder nach oben zu schwimmen. An diesem Punkt fühle ich mich normalerweise ein bisschen berauscht. Stickstoffnarkosen treten zwar eher bei Gerätetauchern auf, aber auch Freitaucher kann es erwischen. Am häufigsten bei Tiefen unter 70 Metern. Mich hat es bisher nie sehr stark erwischt und wenn, dann gerade so, dass der Tauchgang für mich sogar noch besser wurde.

Der Aufstieg ist der schwierige Teil des Tauchgangs, denn es ist ziemlich anstrengend, den Körper wieder nach oben zu befördern. Da ich das aber schon während meines Trainings viele Male zuvor gemacht habe, kann ich mir dabei immer noch ganz entspannt den Bogen anschauen. Während ich aufsteige, wird die Sicht immer besser, da immer mehr Licht ins Wasser dringt.

Auf 25 Metern kann ich Renée hören, die ein Signal ertönen lässt und mir damit zu verstehen gibt, dass sie da ist und mich den Rest des Weges nach oben begleitet. Zeit aufzuwachen und mich zu konzentrieren. Da 90 Meter für mich mittlerweile ein relativ einfacher Tauchgang sind, bleibe ich noch 40 Sekunden bei 10 Metern hängen, um mich noch ein bisschen länger anzustrengen und meine Gedanken wieder zu sammeln. Langsam lasse ich mich nach oben treiben und als ich auftauche, lege ich beide Arme um die Boje, beginne mit meiner Recovery-Atmung, nehme meinen Nasenclip ab und mache meinem Tauchpartner das OK-Zeichen.

Jetzt ist es Zeit, stolz auf mich zu sein – der Tauchgang war erfolgreich und einfach. Wenn ich Tauchgänge zu dieser Tiefe und noch tiefer mache, dann erinnert mich das daran, was ein Freund von mir einmal gesagt hat, als wir beide dafür trainierten tiefer als 100 Meter zu tauchen. Dass nicht viele Menschen auf der Welt bis auf 100 Meter freitauchen und dass man in dieser Tiefe und in diesem Augenblick wahrscheinlich der einzige Mensch auf der Welt ist, der so tief im Meer ist. Dadurch wird mir bewusst, dass das, was ich mache, in der Tat ein Privileg ist.

Akim Ladhari - Deep Dive

Foto: Jonathan Sunnex

Der Tauchgang ist noch nicht vorbei. Es ist Zeit für mich, nach der notwendigen Pause, für Renées Sicherheit bei ihrem tiefen Tauchgang zu sorgen.

Lies meinen Blogpost  Ein Tag im Leben des Profi-Freedivers Akim Ladrhi und finde heraus, was ich vor und nach diesem Tauchgang erlebt habe.

Willst du jetzt mehr übers Freitauchen wissen? Hier erfährst du mehr.