Frauen im Tauchsport: Meeresschützerinnen

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Von Hai-Sensibilisierungskampagnen über die Navigation in Höhlensystemen bis hin zur Schaffung von ganzen Meeresschutzgebieten – ihre Mission ist der Schutz der Meere.

Dr. Sylvia Earle

Diese legendäre Ozeanografin, auch dank der Zeitschrift New Yorker als „Her Deepness“ bekannt, muss nicht vorgestellt werden. Dr. Sylvia Earle ist seit 1998 „Explorer-in-residence“ bei National Geographic und war als erste Frau leitende Wissenschaftlerin der US-Behörde für Ozeanographie- und Atmosphärenforschung (NOAA). Sie hat ihr Leben dem Wissen über das Meer gewidmet, ist Autorin von über 150 Publikationen, hat preisgekrönte Dokumentarfilme gedreht und mehr als 100 Auszeichnungen und Ehrungen erhalten. Dr. Earles neueste Errungenschaft ist die Initiierung von Mission Blue, einem Programm zur Umsetzung von „Hope Spots“, einem weltweiten Netzwerk aus Meeresschutzgebieten. Sie hat schon so viel zur Erhaltung der Meere beigetragen, dass man wahrlich sagen kann, „Her Deepness“ gehört zum Unterwasser-Adel.

„Auch wenn du vielleicht nie die Möglichkeit hast, das Meer zu sehen oder zu berühren, das Meer berührt dich trotzdem bei jedem Atemzug, den du machst, jedem Tropfen Wasser, den du trinkst und jedem Bissen, den du isst. Jeder ist, und zwar überall, untrennbar mit dem Meer verbunden und ganz und gar von der Existenz des Meeres abhängig.“ ― Sylvia A. Earle, “The World Is Blue: How Our Fate and the Ocean’s Are One

Rachel Carson

Rachel Carson wurde 1907 geboren und war eine der ersten weiblichen Wissenschaftlerinnen der Welt und eine Pionierin auf dem Gebiet des Umweltschutzes. Nachdem ihr zweites Buch, „The Sea Around Us“, 81 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times war, entschied Rachel, ihre Karriere ganz dem Schreiben und dem Umweltschutz zu widmen. In ihrem Buch „Silent Spring“, das 1962 veröffentlicht wurde, spricht Rachel über die Gefahren durch chemische Pestizide und die Landwirtschaft.  Das Buch erzeugte eine solche Kontroverse, dass Rachel gebeten wurde, vor einem Kongressausschuss zu dem Thema auszusagen. Ihre Aussage führte dazu, dass die Regierung die Verwendung von DDT verbot, einem schädlichen Insektizid, dass bekanntermaßen krebserregend und eine Gefahr für Wildtiere und Vögel wie den Weißkopfseeadler ist.

„Das Bestreben des Menschen, durch seine Macht zur Veränderung und Zerstörung die Kontrolle über die Natur zu erlangen, würde zwangsläufig zu einem Krieg gegen sich selbst führen. Einem Krieg, den er verlieren würde, wenn er nicht mit der Natur ins Reine kommt.“ — Rachel Carson

 

Lesley Rochat

Lesley Rochat ist preisgekrönte Dokumentarfilmerin, Freediverin, Unterwasser-Fotografin, Naturschützerin und Referentin. Sie trägt viele Titel, aber am besten gefällt ihr „Shark Warrior“, also Hai-Kriegerin. Als Gründerin von AfriOceans Conservation Alliance, einer gemeinnützigen Organisation, die sich auf den Schutz der Meere und Haie spezialisiert hat, hat sie die preisgekrönten Dokumentarfilme „Sharks in Deep Trouble“ und „Save Our Sharks“  und die preisgekrönte Kampagne „Rethink the Shark“ produziert. Um ihre Botschaft zu verbreiten, hat Lesley auch Shark Warrior Adventures gegründet, eine Initiative für verantwortungsvollen Tourismus und zur Eigenfinanzierung von AfriOceans. Aber, egal ob sie nun Haie schützt oder den verantwortungsvollen Tourismus fördert, Lesley entwickelt weiterhin neue Möglichkeiten, ihre Botschaft unters Volk zu bringen – wie eine echte Hai-Kriegerin eben.

„Ich werde meine Waffen schärfen und den Kampf zum Schutz unserer Meere und Haie fortsetzen, und zwar durch meine Fotografie, mein Schreiben, meine Reden in der Öffentlichkeit,  durch Unterricht, Lobbyarbeit und das Teilen meiner Abenteuer in den sozialen Medien. Es gibt nichts, was ich lieber tun würde, als diese Schlacht zu kämpfen, damit die Armee größer wird, die wir brauchen, um unser schönes blaues Herz, die Ozeane, zu schützen.“ — Lesley Rochat

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Foto: Scott Smith

Photo: Casey Delange lesley rochat

Foto: Casey Delange

 

Eugenie Clark

Mit einer Karriere in Meeresbiologie, die sie unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg begann, war Eugenie Clark Teil der Generation, die den Weg für zukünftige Meeresbiologinnen frei machte. Eugenie erhielt viele Stipendien der National Geographic Society, machte TV-Specials und entdeckte neue Arten. Am bekanntesten ist sie jedoch als „Shark Lady“ für ihre Leidenschaft zum Schutz der Haie. Im Rahmen ihrer Forschung war sie die erste Person, die Haie dazu brachte auf Ziele zu drücken und sie entdeckte, dass die Moses-Seezunge ein natürliches Abwehrmittel gegen Haie produziert – eine Substanz, die Forscher noch heute verwenden. Clark führte über 200 Forschungsexpeditionen an und ging auch noch tauchen, als sie schon längst über 90 Jahre alt war. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2015 ließ die Hai-Lady es sich nie nehmen, die Wahrnehmung der Öffentlichkeit von Haien zu verändern.

„Die Leute kommen zu mir und sagen: „Was soll ich tun, wenn ich ins Wasser gehe und einen Hai sehe?“ Da musst du garnichts tun. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Hai dich angreift, ist so gering. Man sollte das Meer genießen, samt den Tieren, die darin sind. Wenn du unter Wasser einem Hai begegnest, dann solltest du dir sagen, „Was habe ich für ein Glück, dass ich dieses wunderschöne Tier in seiner natürlichen Umgebung sehen kann!“ — Eugenie Clark

Jillian Morris

Als Gründerin von Sharks4Kids, einem Programm, bei dem Kinder lernen, wie wichtig es ist, Haie zu schützen, lag es nah, dass Jillian Morris den Beinamen Shark Girl bekam. Jillian ist versiert was Wissenschaft und Medien angeht und ihre Dokumentationen und Fotos findet man überall in den Medien – vom National Geographic bis hin zum Discovery Channel. Ihre Arbeit ist in der Tauch- und Umweltschutzcommunity bekannt und ihre Botschaft geht um den Globus. Egal, ob sie als zweite leitende Forscherin für die Niederländische Tigerhaiexpedition in der Karibik arbeitet oder ihr erstes Kinderbuch „Norman, der Ammenhai“ veröffentlicht. Dieses Shark Girl hat keine Angst davor, bei den Großen mitzuspielen.

„Wir arbeiten kontinuierlich an neuen Programmen und pädagogischen Materialien, um dadurch noch mehr zu erreichen und die nächste Generation der Haischützer heranzuziehen. Ich möchte wirklich meine Arbeit mit Mädchen und Frauen teilen und ihnen zeigen, dass die Meereswissenschaften und das Tauchen mit Haien auch etwas für sie ist. Es besteht die falsche Annahme, dass diese beiden Karrierebereiche nur etwas für Männer sind. Aber das ist überhaupt nicht wahr. Ich hoffe, ich kann Mädchen und Frauen dazu inspirieren und ermutigen, die Welt der Haie zu entdecken.“ — Jillian Morris

 

Danny Tayenaka jillian morris shark diver

Foto: Danny Tayenaka

jillian morris

Foto: Duncan Brake

Riley Hathaway

Als sie gerade mal 12 Jahre alt war, bekam Riley Hathaway für ihr Naturkundeprojekt in der Schule viel mehr als nur eine gute Note. Es ging dabei um Schildkröten und Plastik und ihr Vater war so von Rileys Arbeit beeindruckt, dass der Filmemacher sich entschloss, sich beruflich zu engagieren. Riley und ihr Vater Steve entwickelten die „Young Ocean Explorers“, eine Fernsehserie über Riley und ihre Begegnungen unter Wasser. Zusammen hat das Vater-Tochter-Duo weltweit 20 Episoden produziert und beide haben als Referenten bei den 2015/2016 TEDx Talks vor über 20.000 Menschen gesprochen. Riley ist auch die jüngste Gewinnerin des Leo Ducker Awards, einer Auszeichnung, mit der Neuseeländer geehrt werden, die das Tauchen und die Unterwasserwelt weiter gebracht haben.

„Wenn man Kinder inspiriert und ihnen beibringt, wie man die Unterwasserwelt erforscht und ihr mit Neugier begegnet, dann gibt man der nächsten Generation von Führungskräften und Entscheidungsträgern die Leidenschaft, die sie brauchen, um diese Welt zu schützen.“ — Riley Hathaway

 

Cristina Zenato

Als die Frau, die das gesamte Lucayan-Höhlensystem der Grand Bahama Insel kartiert hat, kennt sich Cristina Zenato unter Wasser sehr gut aus. Und aus dieser Verbindung mit der Erde heraus, sagt sie, ist ihre Leidenschaft für den Naturschutz entstanden.  Als Haischützerin und als erste Frau, die die Verbindung einer Süßwasserhöhle zu einem Blue Hole im Meer entdeckte, wurde sie in die „Women Divers Hall of Fame“ und den Explorers Club aufgenommen. Für die Entdeckerin dreht sich aber nicht alles nur um Haie und Höhlen. Um den Menschen die Umwelt- und Wasserverschmutzung deutlich zu machen, demonstrierte Cristina, welche Wege das Wasser von Höhlen an Land bis zu einem Blue Hole zurücklegt. Aufgrund ihrer Erkenntnisse wurde sie gebeten, zur Erweiterung des Lucayan Nationalparks, einem Meeresschutzgebiet vor Grand Bahama mit dem Bahamas National Trust und der lokalen Regierung zusammen zu arbeiten.

„Die Höhlen auf den Bahamas sind nicht nur eine unglaubliche Verbindung zwischen der Welt unter und über der Erde, sondern auch zwischen dem Land und dem Meer. Das Wasser in ihnen reist zum Meer hin und von ihm weg und trägt dabei notwendige Nährstoffe und Mineralien in die Umwelt. Aber es trägt auch die Verschmutzung und Schäden mit sich, die wir  Menschen verursachen. Viele Höhlen finden ihren Weg zum Meer durch die Mangrovenwälder, die ein wesentlicher Bestandteil des Ökosystems der Bahamas und der Kindergarten für die unterschiedlichsten Geschöpfe sind – von Wirbeltieren wie Haien bis hin zu Korallen und Schwämmen. Die Umweltverschmutzung legt durch die Höhlensysteme weite Strecken zurück.“ – Cristina Zenato

cristina zenato cave diving

cristina zenato cave diving

 

Emily Callahan + Amber Jackson

Bei Blue Latitudes arbeitet das Zweier-Team Emily Callahan und Bernstein Jackson mit Wissenschaftlern, Regierungen und Ölgesellschaften zusammen, um Ölplattformen in künstliche Riffe zu verwandeln. In Zusammenarbeit mit Dr. Sylvia Earles Non-profit Organisation, Mission Blue haben die Frauen begonnen, sich für die ordnungsgemäße Entsorgung von Ölplattformen einzusetzen und die örtlichen Gemeinden darüber aufzuklären, wie wichtig es ist, das Leben unter der Wasseroberfläche zu erhalten. Nicht nur wurden sie in Explorers Club aufgenommen, ihre Arbeit kann man auch in der YouTube-Serie „ScienceSea TV“ verfolgen. Außerdem schreiben sie häufig als Gastbloggerinnen für den National Geographic’s Ocean Views Blog.

„Die Zukunft des Meeresschutzes lautet nicht mehr „Wir gegen sie“, also „Wissenschaftler und Umweltschützer gegen die Ölkonzerne“. Wir müssen zusammenarbeiten, um Silberstreifen am Horizont unserer Meere zu finden und die Ressourcen zu schützen, von denen wir abhängig sind  und die wir lieben“ – Amber Jackson

„Die zentrale Aussage von Blue Latitudes ist, dass man genauer hinschauen muss. „Rigs-to-Reefs“ ist definitiv nicht „Save the Whales“. Das ist nicht so einfach. Das verdaut sich nicht so leicht. Wenn man aber ein wenig genauer hinschaut, dann gibt es da viel Interessantes aus der Wissenschaft zu entdecken und viele interessante Wege, die man gehen kann.“ – Emily Callahan

Emily Callahan and Amber Jackson

Foto: ©Scott Sporleder

Photo: C Delacy

Foto: Caine Delacy

 

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